Artikel von Admin istrator • 07.02.2019, 12:01:03 Uhr
Alles Gute alter Freund - zum 40. Geburtstag des Filmfest Max Ophüls Preis

Das Filmfest Max Ophüls Preis in Saarbrücken feierte im Januar seinen 40. Geburtstag.
Ich liebe dieses Festival!
Das ist kein Geheimnis. Sobald sich in einer Konversation auch nur der Ansatz eines Kontextes ergibt, platziere ich das Filmfest Max Ophüls Preis.
Ich erzähle, wie toll es ist. Wie wichtig für den deutschsprachigen Filmnachwuchs. Wie großartig die Menschen sind, die dieses Festival Jahr für Jahr auf die Beine stellen.
Was es mir damals bedeutet hatte, als ich nach meinem abgebrochenen Studium diesen Praktikumsplatz im Festivalbüro bekommen konnte.

Was es mit mir gemacht hatte, als Andrea, als Büroleitung des Festivals, mir damals solch ein Vertrauen geschenkt hatte und mich nach einer Weile
ganz eigenständig arbeiten ließ.
Wie mich diese Zeit beim Festival aus einem Loch aus Selbstzweifel und Nutzlosigkeit nach „gerade-so-bestanden-Abitur“ und „gescheitertem-dualem-Studium“ gezogen hatte.
Und die Jahre danach, in denen ich mit einem unglaublichen Stolz für das Festival und die Sache gearbeitet hatte.

 

 

Mit diesen Emotionen fuhr ich also auch in diesem Januar 2019 nach Saarbrücken zum 40. Filmfestival Max Ophüls Preis

Vierzig Jahre sind verdammt viel.
Ich habe gerade mal dreißig Jahre auf dem Buckel und doch habe ich immerhin bereits fünfzehn meiner Lebensjahre das Filmfest Max Ophüls Preis begleitet.

Die Geschichte, wie meine Oma Christa damals mit mir zur Preisverleihung des Festivals gegangen war, weil ich sonst niemanden finden konnte,
der mich begleiten wollte, ist mittlerweile so etwas wie eine Familien-Saga.
Meine Oma liebt es die Geschichte zu erzählen, wie sie mit mir auf den, mit Teppich bezogenen, Stufen des Staatstheater Saarbrückens saß,
sich von mir erklären ließ, wer dieser Schauspieler sei und wer diese Regisseurin, als mit einem Mal Anna Maria Mühe an uns vorbei lief.

Oma kannte Anna Maria Mühe nicht direkt. Vielmehr kannte sie ihren Vater. Ich erklärte ihr damals, dass dies eben die Tochter von Ulrich Mühe sei.

Es war eine prägende Zeit für mich. Ich war mitten in der Pubertät, auf der Suche nach mir Selbst, meinem Weg, der sich mir im Hinblick auf meine semi-erfolgreiche
Schulkarriere im schönen Saarland einfach nicht erschließen wollte.
Aber an diesem Abend, im Staatstheater Saarbrücken, neben meiner Oma, auf diesen Treppenstufen, da beobachtete ich all diese aufgeregten
Menschen, diese jungen Filmemacher, aber auch die Profis im Business und ich spürte etwas.

Eine Begeisterung für eine gemeinsame Sache. Dafür, Menschen erreichen zu wollen.
Sie zu unterhalten ja, aber auch Fragen zu stellen, vielleicht zu helfen Antworten zu finden.
Auf Missstände aufmerksam zu machen. Ängste und Ideen zu teilen und so Verbündete zu finden.

Ein Teil dieser Gruppe vom Menschen zu sein, die diese Filme machten, die ich mir Tag für Tag nach der Schule in der Videothek auslieh, die mich zum Lachen,
Weinen, Nachdenken und von einer Welt jenseits meines Kinderzimmers im Saarland träumen ließen - das wäre einfach das Größte.

Doch für den Anfang gab es für mich erst einmal nur in jedem Januar das Filmfest Max Ophüls Preis.
Und so wuchsen wir zusammen heran. Wurden größer, weiser, stärker. Machten unsere Erfahrungen und lernten daraus.
Die Jahre vergingen und wenn ich nicht dort arbeitete, dann besuchte ich das Filmfest Max Ophüls Preis um darüber für jung&talentiert zu berichten.

Als ich da am 14.01.2019 zur Eröffnung des 40. Filmfest Max Ophüls Preis in dem Kinosessel des CineStar Saarbrücken saß, fühlte es sich an, als würde
ich einen ehemals sehr guten Freund nach langer Zeit noch einmal treffen. So ein richtig schön unangehmes Klassentreffen-Gefühl.
Es gibt da all diese Erinnerungen an tolle, gemeinsame Momente. An Zeiten die auch mal hart und anstrengend waren, aber die man gemeinsam durchgestanden
hatte, weil man für eine gute Sache gearbeitet hatte.

Und so mussten wir uns erst einmal wieder aneinander antasten, mein alter Freund und ich.
Ganz schön groß war er geworden.
44.000 andere Freunde hatte er in diesem Jahr zu Besuch und von unseren gemeinsamen Freunden hatten es in diesem Jahr nicht mehr viele geschafft.
Umzug, Ehe, Kinder – man kennt das.
Mit großer Freude stellte ich doch dann recht schnell fest, dass mein Freund sich vielleicht äußerlich verändert hatte, größer und reifer geworden war, aber immer noch der coole, smarte, kreative Dude von früher war.  
Einer, dem es um die Sache ging. 
Wie auch damals schon, als wir und kennengelernt hatten – die Förderung des deutschsprachigen Nachwuchsfilms.
Einer, der es auch zu seinem 40. Geburtstag wieder geschafft hatte, ein Team auf die Beine zu stellen, welches mit viel Liebe, Begeisterung und
Leidenschaft, Filmemachern aus der ganzen Welt, eine tolle Zeit im beschaulichen Saarbrücken ermöglichte..

Wenn also auch der Rahmen ein größerer geworden ist - die Lolas-Bistro-Partys nun nicht mehr in der Saarbrücker Garage, sondern in der um ein vielfaches größeren alten Post stattfinden – es gibt sie nach wie vor, die Publikums-Diskussionen nach jedem Film. Die Gänsehaut, wenn die Filmemacher nach ihren Premieren zitternd vor einem stehen und stolz ihr Team vorstellen. Die Hoffnung, dass es da einen deutschsprachigen Filmnachwuchs gibt, der – gottverdammt – einfach eine Plattform braucht um gesehen, aber auch gehört zu werden.

Also hey, mein alter Freund, Filmfest Max Ophüls Preis, danke, dass du mir in diesem, ganz besonderen Jahr, gezeigt hast, dass wir uns nicht auseinander gelebt haben, sondern einfach gewachsen sind. Alles Liebe zum Vierzigsten.

Wir sehen uns im Januar – ich freu mich auf dich.


 

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