Artikel von Admin • 07.06.2017, 14:43:44 Uhr
Der deutsprachige Film: Annes Top 5

Victoria (2015)

Selten habe ich so fix und fertig im Kinosessel gehangen wie während des Abspanns zu „Victoria“. Ich war aus der Puste und erschöpft – im positiven Sinn.
Der Film nimmt den Zuschauer mit ins nächtliche Berlin, das man knapp zweieinhalb Stunden mit Victoria und den vier Jungs durchstreift.
Auch aufgrund des Verzichts auf Schnitte – es wurde in einem Take gedreht – generiert sich die ganz besondere, mitreißende Atmosphäre dieses Films, der wirklich alles
zu bieten hat: Tragik, Witz, Spannung, Tiefgang, Geheimnisse, tolle Musik.
Und: An eine romantischere und dabei so kitschfreie Szene als die, in der sich Victoria und Sonne am Klavier sitzend näher kennenlernen, kann ich mich nicht erinnern.

 

Good Bye, Lenin! (2003)

Dieser Film ist so besonders, weil er sich mit der Thematik der DDR im Allgemeinen und ihrem Ende im Speziellen auf originelle Art undWeise beschäftigt.
Tragikomisch und warmherzig wird die Geschichte von Alexander erzählt, der für seine Mutter, die nach dem Mauerfall aus dem Koma erwacht, die Illusion einer fortbestehenden DDR inszeniert. Nicht zuletzt dank der ausgefallenen Handlung und der durchweg herausragenden schauspielerischen Leistung - seitdem
ich den Film gesehen habe, gehören Daniel Brühl und Florian Lukas zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern - heimste „Good Bye, Lenin!“ vollkommen zu Recht
eine ganze Reihe nationaler und internationaler Auszeichnungen ein.

 

Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel (2012)

Regisseur Aron Lehmann dreht einen Film über einen Regisseur namens Lehmann und dessen Dreharbeiten zu der Verfilmung vom Heinrichvon Kleists Novelle
Michael Kohlhaas. Der fiktive Lehmann, toll gespielt von Robert Gwisdek, kämpft allen Widrigkeiten zum Trotz für sein Projekt und lässt sich auch nicht von der
geplatzten Finanzierung aufhalten.  Insbesondere dann, wenn die Handlungsebenen ineinander zu verschwimmen beginnen, entfaltet sich die spezielle Ästhetik des Films, die vom Wechsel zwischen dokumentarisch anmutenden und poetisch-geheimnisvollen Aufnahmen lebt. Skurrile Szenen und teils bissige Situationskomik runden den Film ab, der den Finger in die Wunde legt und Probleme der Filmbranche thematisiert. Auch wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt,  schaffen Lehmann und Lehmann vor allem ein Plädoyer für die Magie des Films.

 

 

Ich bin Anne, 26, und studiere Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Saarbrücken. Mir gefallen Filme, die aus dem Rahmen fallen, in denen experimentiert wird,
die ungewöhnliche Themen behandeln und mit neuen Perspektiven überraschen. Der perfekte Film hat Geheimnisse und verrät nicht alles, sondern lässt ausreichend
Spielraum für Phantasie und Interpretation.Innerhalb des deutschsprachigen Filmes werde ich auf der Suche nach solchen Produktionen häufig fündig – allen
voran beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, für das ich seit vier Jahren während der Festivalwoche arbeite und in diesem Jahr auch bei der Berlinale, wo ich hinter die Kulissen schauen und mit anpacken durfte.

 

 

Vaya con Dios (2002)

Noch einmal Daniel Brühl, diesmal als junger Mönch in einem Road Movie, in dem die anachronistische Lebensweise dreier Ordensbrüder mit der modernen Zivilisation kollidiert. 
Die Handlung mag an der einen oder anderen Stelle etwas oberflächlich geraten sein, aber  das machen Witz, Charme und sympathische Protagonisten wett.  
Rührend sind besonders die Szenen, in denen die Mönche zusammen singen um Halt und Orientierung in der ihnen fremden Welt zu finden – herzerwärmende Passagen,
durch die der Film eine besondere Stimmung erhält.

 

Kater (2016)

Die österreichische Produktion, die in diesem Jahr bei der Berlinale Premiere gefeiert hat und dort mit dem Teddy Award ausgezeichnet wurde, ist der beste Film, den
ich während des Filmfestivals gesehen habe. Ein beeindruckend konstruiertes und brillant gespieltes Drama, in dem sich das harmonische Zusammenleben eines Paares
durch einen unvorhersehbaren Zwischenfall schlagartig ändert. Begleitet von starken metaphorischen Bildern wird bei der Darstellung des Alltäglichen, des Unspektakulären,
auf subtile aber intensive Weise Spannung aufgebaut, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Sehr faszinierend und absolut sehenswert!

 

 

 

Titelfoto: ©  Rob Bye/unsplash
Foto im Text: © Anne Bartelt
Text: Anne Bartelt

" Auch wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt, schaffen Lehmann und Lehmann vor allem ein Plädoyer für die Magie des Films."
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