Artikel von Admin • 07.06.2017, 13:24:00 Uhr
Filmfest Max Ophüls Preis: Ein Rückblick



Das Filmfestival Max Ophüls Preis ist das wichtigste Festival für den jungen deutschsprachigen Film und steht in jedem Januar erneut für die Entdeckung junger Talente aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Wir freuen uns jedes Jahr wie Bolle drauf und lieben es dort zu sein. 2015 ist darüber ein Text entstanden.

"Susanne schau, dort an der Bar stehen die Alice und der Typ von heute Mittag aus dem Film, schau dort."

Der Mann von Susanne hat Recht. An der Theke in Lolas Bistro, dem Festivalclub, stehen Alice Dwyer und Sabin Tambrea. Die Hauptdarsteller aus dem Wettbewerbsfilm "ma folie". Einer der vielen Filme, welche in diesem Jahr auf dem Filmfestival Max-Ophüls-Preis gezeigt wurden. Mit seinen 42.000 Gästen ist das Festival nicht gerade als klein zu bezeichnen, aber als, sagen wir, familiär. Die Filmemacher betonen die Herzlichkeit. Das Gefühl gut aufgehoben zu sein. Die Besucher, die Vielfalt der Filme und den Kontakt zu denFilmemachern. Und alle die besondere Stimmung. Oder wie es der Ehrenpreisträger Hans W. Geißendörfer in einem Interview sagte: "Man trifft hier sehr selten beschissene Typen".

Das Filmfestival versteht sich als wichtigstes Forum für die Förderung des jungen deutschsprachigen Films. Diese Förderung geht über die Verleihung von Preisen und die dazugehörigen Gelder hinaus. Eine konstruktive Vernetzung zwischen Profis und jungen Machern, durch Veranstaltungen wie dem Speed Dating und den Branchentagen, macht das Festival aus. Das Eine, Kontaktbörse zur Entwicklung neuer Filmprojekte. Das Andere eine Veranstaltungsreihe, bei welcher dem deutschsprachigen Filmnachwuchs aktuelle Tendenzen und wichtige Trends der Filmbranche aufgezeigt werden. Das Filmfestival Max-Ophüls-Preis ist mehr als eine Leistungsschau. Die entspannte Stimmung macht es möglich jederzeit leicht mit anderen ins Gespräch zu kommen. Zu reflektieren und Kontakte zu knüpfen. In Filmgesprächen, Diskussionsrunden aber auch auf den Kinofluren. Wahrzeichen des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis ist das blaue Herz. Und in der Festivalwoche ist diese Herzlichkeit auch Programm. Die ansässigen Geschäfte sind festivaltauglich geschmückt.

Das Rathaus erstrahlt in Ophüls-Blau. Die angereisten jungen Filmschaffenden finden bei festivalbegeisterten Saarbrückerinnen und Saarbrückern eine Unterkunft. Ein Festivalteam, dass allerorts zur Stelle ist und, wie es auch Festivalleiterin Gabriella Bandel immer wieder betont, mit ganzem Herzblut und Eifer im Einsatz ist. Trotz seiner stetig wachsenden Größe ist das Festival kompakt. Die Wege kurz. Und überall nimmt man diese besondere Festivalstimmung wahr.

Die Aufregung der Filmemacher, wie ihre Filme beim Publikum ankommen. Die Freude der Festivalbesucher über spannende, unkonventionelle Filme und das Sichten des ein oder anderen prominenten Festivalgastes. Mit dem Filmfestival Max-Ophüls-Preis beginnt in jedem Jahr die Festivalsaison. Und in jedem Jahr macht es das Festival möglich, das zusammen kommt, was zusammen gehört. Filme und Zuschauer. Filmemacher und Verleiher. Drehbuchautoren und Produzenten. Ideen und Umsetzer.

Immer wieder wird die kritische Lage des deutschen Films beklagt. Im Ausland aber auch hierzulande. Im Kino und auch im Fernsehen. Was dagegen zu tun wäre ist diskussionswürdig und sollte geklärt werden. Ganz klar vorhanden ist allerdings der Bedarf an Plattformen. Möglichkeiten für den jungen Film sich zu präsentieren und sich zu vernetzen. Und so eben mit den Machern solcher Formate wie dem "Filmdebüt im Ersten", dem "kleinen Fernsehspiel" oder einem Verleih in Kontakt zu kommen.

Filme machen kostet. Schweiß. Nerven. Zeit. Nicht zuletzt Geld. Wer sich trotzdem dafür entscheidet, tut dies aus den besten Gründen. Um qualitativ zu unterhalten. Eine Geschichte zu erzählen, die erzählt werden sollte. Die Film- und Fernsehkultur zu bereichern. Und auch wenn das nun alles sehr drastisch klingt, möchte man sich auch eine reine Film- und Fernsehwelt à la Schweiger-Schweighöfer nicht vorstellen.

Vom 19. - 25. Januar 2015 fand das Filmfestival Max-Ophüls-Preis zum 36. Mal statt. Sieben Tage lang schlug das blaue Herz in Saarbrücken und schenkte dem kreativen Schaffen der jungen deutschsprachigen Filmszene die verdiente Aufmerksamkeit.

Bei der Preisverleihung am Samstagabend gewann Patrick Vollrath mit seinem Film "Alles wird gut" den Preis für den besten Mittellangen Film.
Bei seiner Dankesrede erzählt Vollrath, dass er mit dem Film gerade auf einem Festival abgelehnt wurde. Und mit zittriger Stimme ergänzt er, dass es natürlich toll ist, den Preis zu gewinnen. Es manchmal aber auch einfach hart sei. Und so endet ein weiteres Filmfestival Max-Ophüls-Preis. Ein Hoch auf den Mut, ein Hoch auf die Experimentierfreude.


Ein Hoch auf den deutschsprachigen Filmnachwuchs!

 

 

Titelbild: © Denise Linnemann
Text: Vanessa Linnemann

"Man trifft hier sehr selten beschissene Typen" - Hans W. Geißendörfer
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